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Die Kernkraft liefert für Deutschland ungefähr die Hälfte des sogenannten Grundlaststroms.
Sehr geehrter Herr Düpmeier,
meine Position zur Kernkraft ist folgende:
Wir brauchen eine sichere Energieversorgung. Die Kernkraft liefert für
Deutschland ungefähr die Hälfte des sogenannten Grundlaststroms. Das ist
der Strom, der für rund um die Uhr laufende Fabriken und Kühlschränke
usw. permanent verfügbar sein muss. In diesem Zusammenhang wird gerade
bei Windkraft leider gerne die installierte Leistung mit der tatsächlich
und verlässlich gelieferten Strommenge verwechselt.
Die erneuerbaren Energien sind leider meist nicht grundlastfähig - und
stromintensive Fabriken kann man nicht abschalten, weil grad mal nicht
die Sonne scheint und kein Wind weht. Die wenigen Wasserkraftwerke
reichen dafür nicht aus (für den Neubau von Pumpspeicherkraftwerken
fehlen meist die Steigungen und Laufwasserkraftwerke sind auch nur
begrenzt baubar bzw. liefern nicht genug Strom). Die Speicherung von
großen Strommengen ist bislang nicht möglich - man kann keine
Schwerindustrie an Batterien betreiben. Der vielbeschworene Netzausbau,
um eine dezentrale Stromversorgung mit intelligenter Vernetzung und
Zusammenschaltung erneuerbarer Quellen zu ermöglichen, scheitert oft an
Bürgerprotesten ("nicht durch meinen Garten"; "Windmühlen gerne, aber
nicht hier").
Auf Grundlaststrom können wir also nicht verzichten. Wer allen
Grundlaststrom ohne Kernkraftwerke produzieren wollte, müsste - solange
noch keine Speichertechnologie für regenerativ erzeugte Energie
verfügbar ist.- viele neue Kohlekraftwerke bauen, die viel CO2 in die
Atmosphäre stoßen. Alternativ könnte auch Strom aus französischen und
osteuropäischen Kernkraftwerken importiert werden, aber dass wird kaum
ein Problem lösen. Schließlich bleibt noch Erdgas aus Russland: aus dies
würde uns trotz langfristiger Lieferverträge immer mehr in die
Abhängigkeit von hauptsächlich einem Energielieferanten treiben und
bringt in Sachen Vermeidung von Emissionen auch nichts.
Nach den strengen deutschen Maßstäben unsichere Kernkraftwerke müssen
abgeschaltet werden, sichere sollten zumindest solange im deutschen
Energiemix übergangsweise weiter mitlaufen, wie keine verlässliche
Speichertechnologie für erneuerbare Energieformen verfügbar ist. Hierauf
hat sich die Energieforschung zu konzentrieren. Für ergebnisoffene
Energieforschung sind auch staatliche Mittel gut eingesetzt. Hier kann
Förderung sinnvoll sein, denn sie schafft Neues. Wenn dagegen veraltete
Solarzellen in sonnenarmen Regionen wie Deutschland installiert sind und
nach dem geltenden Recht ihren Besitzern für 20 Jahre ein fester
Abnahmepreis für den damit erzeugten Strom winkt, halte ich dies nicht
für sinnvoll. Diese Art von Förderung ist sicher schön für den
Hausbesitzer, aber sie bindet anderswo fehlende Mittel in Milliardenhöhe
und bringt die Suche nach den nötigen Speichertechnologien kein Stück
voran.
Mit freundlichen Grüßen,
Paul Friedhoff
Schlagworte: FDP

