Login

Atommüll in Köln lagern?
Ein großartiger Start in die zweite Hälfte der Endlagersuche: Etwa 300 Leute sind gekommen um Köln in Sachen atomare Abfallwirtschaft unter die Lupe zu nehmen. Nach einem heißen und sonnigen Tag überrascht das Ergebnis allerdings kaum: Auch hier ist kein geeigneter Ort für den Atommüll-Endlager zu finden.
Der große Erfolg der Anti-Atom-Bewegung am vergangenen Wochenende in Berlin wirkt in Köln noch deutlich nach. Viele Atomgegner aus Köln waren auch bei den Protesten in der Hauptstadt mit dabei. Warum die Tour überhaupt noch weitergehen muss nach diesem Auftritt der Anti-Atom-Bewegung, fragt jemand in die Runde. Die Antwort der freiwilligen Atom-Wissenschaftler ist ebenso deutlich wie enthusiatisch: Weil die Debatte weitergeführt werden muss, weiter Druck aufgebaut werden muss für das Festhalten am Atomausstieg, weil die Endlagerfrage durchs Land getragen werden soll.
Am Eifelplatz werden die Demonstranten wieder ausgestattet mit Strahlenschutzanzügen, Geiger-Zählern, anderer "wissenschaftlicher" Ausstattung, Plakaten und Transparenten. Das Sonderkommando der Atomforscher legt sich in Köln außerordentlich ins Zeug: Auf dem Weg zum zentralen Neumarkt werden Büdchen und Geschäfte gründlich auf Endlagertauglichkeit inspiziert. Passanten werden gebeten, Atommüll bei sich zu Hause einzulagern. Die großen Atommüllfässer werden testweise in Straßenbahnen und Telefonzellen gerollt – bleiben können sie dort allerdings nicht. Vom Container für Bauschutt bis zur Mülltonne in der Einfahrt: Kein Platz für den Müll aus AKWs. Die zufällig kreuzenden Kölner finden das alles zwar ein wenig jeck, lassen sich aber mit viel Neugier und Spaß irritieren. Und empfehlen, doch lieber Düsseldorf als Endlager in Erwägung zu ziehen.
Nach dem rund zwei Kilometer langen Demonstrationszug durch die Stadt steht fest: Kein Ort, nirgends für die Ladung des Castor-Transports. Auch die große Probebohrung am Neumarkt bringt nur zu Tage, dass sich der Kölner Untergrund nicht eignet als Atommüll-Endlager.
Während in Köln die zweite Hälfte der Endlagersuche fulminant und sympathisch beginnt, macht Gorleben wieder Schlagzeilen - diesmal mit geschönten Gutachten der Regierung Kohl. Dass die "Endlagersuche" der Bundesregierung "in die Tonne" gekloppt gehört, haben die Kölner heute jedenfalls deutlich zum Ausdruck gebracht.
Galerie
Weiterführende Links
www.atomtour.de/atom2/tour09/koelnSchlagworte: Demonstration, Endlager, Castor

